Tamron 70-200mm f/2.8 VC USD G2 Review Test.

Tamron 70-200mm f/2.8 VC USD G2 an Nikon D810.

Nach knapp vier erfolgreichen Jahren mit Nikons Nikkor 70-200mm f/2.8G VR II (zuvor noch ca. ein Jahr Nikon 70-200 VR) überlegte ich langsam in Richtung eines moderneren 70-200mm Objektivs, und habe mich eigentlich schon auf das neue Nikon 70-200mm f/2.8E FL VR eingeschossen. Doch der relativ hohe Preis von knapp 2700€ schreckte mich monatelang ab, und genau in dieser Zeit brachte Tamron das neue verbesserte 70-200mm f/2.8 VC USD G2 Objektiv auf den Markt.

Zuerst hat mich der relativ niedrige Preis ggü. dem neuen Nikon überrascht. Die zum Marktstart aufgerufenen 1599€ wirkten auf mich schon deutlich hübscher als die zur gleichen Zeit angesetzten knapp 2650€ für das Nikon Äquivalent.

Knapp vier Jahre habe ich mit meinem VR II erfolgreich fotografiert. Das Nikon hat mich nie im Stich gelassen, und verrichtete die an ihn gestellten Aufgaben stets mit Bravur und in hervorragender Qualität. Der Autofokus saß so gut wie immer, die Bilder waren immer scharf und tadellos. Doch die Zeit vergeht, die Technik wird optimiert und aktualisiert. Dazu kommt noch der Reiz nach etwas Besserem, Schnellerem, Neuem... Außerdem gönnt man sich ja bekanntermaßen sonst nix :)

Und so entschied ich mich, zuerst das neue Tamron 70-200 VC USD G2 auszuprobieren, bevor ich mich an das neue Nikon traue. Doch irgendwie habe ich gezögert und gezögert. Aber als ich dann ein Hammer Vorbesteller-Angebot bei einem großen deutschen Online Händler gesehen habe (1365€ inkl. Versand), habe ich mich entschlossen, das knapp 50% günstigere Nikon Äquivalent von Tamron zu testen. "Man kann ja nix falsch machen, außerdem hast du 30 Tage Rückgaberecht. Und das Nikon kannst du dir auch jederzeit kaufen.", dachte ich mir. So kam ich an mein Exemplar des Tamron 70-200mm f/2.8 VC USD G2 ran.

Ich bin kein Nikon Fanboy, und besitze sowohl Nikon, als auch Sigma (EX und ART) Objektive. Auch besaß ich früher zwei andere Tamron Objektive (ein 17-35mm an Canon und ein 90mm 2.8 VC Makro an Nikon). Doch am meisten Probleme haben Sigma Objektive gemacht. Das bekannte Autofokus-Zicken der Sigma Objektive machte auch um mich keinen Bogen, und ich habe deswegen auch die eine oder andere Träne vergossen. Was ich aber damit sagen will: ich hatte auch Angst bezüglich Tamron. Ein 70-200mm Objektiv ist neben einer 24-70mm f/2.8 Linse mein Arbeitstier Nr. 2. Ich bin kein großer Festbrennweiten-Fan und fotografiere lieber mit guten Zoom Objektiven, weil diese einfach praktischer, meist schneller (Autofokus) und fast genau so gut sind. Zusätzlich haben sie meist einen Stabilisator an Bord, welcher in manchen Situationen das Leben einfacher macht.

Im Vorab verrate ich euch: meine Angst bezüglich Autofokus Probleme blieb unbegründet.

Verarbeitung.

Die Verarbeitung des neuen Tamrons ist durchaus auf einem hohen Niveau. Das Objektiv ist sauber verarbeitet, es wackelt nix. Hält man dagegen ein Nikon 70-200mm VR II daneben, kommt mir das Nikkor doch etwas hochwertiger vor. Es ist nix weltbewegendes, aber dennoch ist es meiner Meinung nach so.

Die Ringe des Tamrons lassen sich auch etwas schwerer und ungleichmäßiger bewegen, werden aber mit mehr Nutzung immer geschmeidiger.

Was mich aber richtig stört, ist der Stativfuß. Dieser ist so nah am Objektivtubus angebracht, dass man das Ganze nicht mehr bequem am Stativfuß packen und tragen kann, so wie beim VR II eben. Das finde ich sehr schade.

Der Zoomring ist gegenüber dem VR II leider vorne (ist aber beim Nikon 70-200mm f/2.8E FL leider auch so). Für mich ist es sehr ungewöhnlich, und ich betätige auch nach 500 Bildern immer noch den Schärfering beim Fotografieren, obwohl ich zoomen will. Allgemein fühlt sich meine linke Hand einfach zu weit vorne. Mir wäre lieber, wenn der Zoomring so wie beim Nikon 70-200mm f/2.8G VR II in der Mitte des Objektivs und noch vor dem Schärfering wäre. 

Ansonsten ist alles einwandfrei. Die Schiebeschalter für VC, AF/MF und Autofokusbegrenzung lassen sich sehr angenehm betätigen. Allgemein bewegt sich hier das Tamron angesichts des Preises auf sehr hohem Niveau.

Autofokus.

Das Objektiv kam zwei Tage nach der Bestellung bei mir an. Voller Hoffnung habe ich es ausgepackt und schnell zuerst an meine Nikon D810 angesetzt, und Autofokus in allen möglichen Entfernungen gecheckt. Passt!

Dann noch schnell die D500 rausgeholt, überprüft: Passt! Na geht doch!

Der Autofokus saß sowohl an meiner D810, als auch an der D500 perfekt ohne jegliche interne Kamerakorrektur. Der Spaß konnte also beginnen.

Die Fokussiergeschwindigkeit des Tamron ist sehr gut. Im direkten Vergleich mit dem Nikon 70-200mm f/2.8G VR II fokussiert das Tamron noch etwas schneller. Am besten merkt man es, wenn man mit beiden Objektiven direkt nebeneinander gleiche Ziele anfokussiert. Hierbei stellt man fest, dass das Tamron zwischen zwei größeren Abständen doch sichtbar schneller fokussiert. Es sind keine "Welten" dazwischen, und eigentlich reichte mir der Autofokus des VR II auch immer aus. Aber dennoch, warum nicht noch schneller fokussieren können?

Beim Motivverfolgen merkt man, dass das neue Tamron nicht so stark rattert. Es "fließt", führt die Schärfe irgendwie konstanter, gleichmäßiger nach, schwer zu erklären, muss man selbst probiert haben. Das tut es ganz schnell, noch etwas schneller als das Nikon VR II.

Der Stabilisator "VC" des neuen G2.

Dieser ist sehr gut! Vergleicht man ihn mit dem VR des Nikons, stellt man fest, dass Tamron in etwa eine bis eineinhalb Lichtstufen besser stabilisiert. Extrem merkt man es vor allem an der Nikon D500. Hier kann ich bei 1/13s reproduzierbar absolut scharfe Bilder machen. Mit dem Nikon geht es hier schon lange nicht mehr, ich würde bei spätestens 1/40s Schluss machen und dann lieber ISO erhöhen.

An der D810 kann ich bei 1/20s reproduzierbar scharfe Bilder schießen. Auch bei 1/15s geht es noch bei Bedarf, aber hier könnte sich bereits der eine oder andere Ausrutscher einschleichen. Dennoch kann ich hier noch mit ca. 80% hoher Wahrscheinlichkeit scharfe Bilder (scharf heißt 100% Ansicht) schießen. Der Grund, warum ich mit der D500 noch weiter runter gehen kann (und vor allem erhöht sich der Bildwinkel ja durch Crop Faktor bedingt auf 300mm), liegt vermutlich an den deutlich schwächeren Spiegelschlag und Verschluss Vibrationen. Die D500 löst schon um einiges schneller und sanfter aus.

Anzumerken ist, dass der Stabilisator niemals sofort nach dem Betätigen des Auslösers 100% bereit ist. Man muss dem Stabi ab Anspringen ca. 1 Sekunde Zeit lassen, damit sich dieser einstellt. Wer sofort durchdrückt, wird nur unscharfe Bilder produzieren. Das alles ist auch in der Anleitung gut beschrieben.


Schärfe.

Knapp 500 Bilder (Portrait, Street, Architektur), habe ich bis jetzt mit dem Tamron 70-200 f/2.8 G2 gemacht, und kann somit schon mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit ein genaues Fazit ziehen. Und zwar ein positives Fazit.

Die Schärfe ist offenblendig schon sehr gut. Wie bei allen anderen mir bekannten Tele-Zoom Objektiven, lässt die Schärfe im Telebereich etwas nach. Es ist nicht schlecht, keinesfalls! Aber eben etwas schwächer als bei anderen Brennweiten. Am besten ist die Abbildungsleistung meiner Meinung nach im Bereich um die 130-150mm. Da ist das Tamron bei Blende f/2.8 wirklich scharf wie ein Rasiermesser.

 

Aber schaut am besten selbst. Unten seht ihr 3 Aufnahmen + 3 Crops dazu. Von links nach rechts: 70mm, 130mm, 200mm. Alles f/2.8 an D810:

Und so sieht es an der D500 bei f/2.8 und 200mm (also 300mm Bildwinkel) aus. Das Rauschen kommt übrigens von ISO1600 bzw. ISO2200:

Hier noch ein Beispiel  an Nikon D500 bei f/2.8 und 165mm:

Ab f/4 ist die Schärfe aus meiner Sicht sehr gut, und noch mehr davon brauche ich nicht wirklich.

Hier bekommt man seitens Stabilisator nochmal eine gute Unterstützung, damit man nicht verwackelt und die Verschlußzeiten relativ lang halten kann (Beispiel: 200mm bei 1/125s für scharfe Portraits).

Anbei 2 Beispiele bei f/4 und f/2.8 an D810 bei 130mm und f/2.8. Bild 1 ist Vollansicht, Bild 2 sind Crops (links f/4, rechts f/2.8).

Die Eckenschärfe ist bei offener Blende etwas schwach. Sie ist gut nutzbar, jedoch etwas schlechter als in der Mitte. Blendet man ab, steigert sie sich immer weiter. Bei f/8 ist sie so gut, dass wohl sogar die meisten Pixelpeeper damit zufrieden wären.

Hier ein Beispiel für Mitten- und Randschärfe, jeweils an aus meiner Sicht "schwächsten" Brennweite 200mm. Beides f/2.8 an D810. Zuerst jeweils die Vollansicht, dann ein Crop dazu.

Ist diese Leistung schwach? Keinesfalls! Sie ist sogar sehr gut bis gut. Zumal die Schärfe deutlich gesteigert wird, wenn man auf f/4 abblendet.

Wir reden hier immerhin von einem knapp dreifach Zoomobjektiv, und nicht von 85, 105, 135 und 200 Millimeter Festbrennweiten. Dieses eine Objektiv deckt gleich viele Bereiche ab und ist zudem noch bildstabilisiert. Vom Preis ganz zu schweigen! Die vielen Festbrennweiten würden mehrfaches kosten und brächten wohl das dreifache Gewicht und Volumen zusammen (die neuen 85 und 135 ART's wiegen ja je um die 1200g).


Bokeh.

Für ein f/2.8 Zoom Objektiv liefert das neue Tamron 70-200mm 2.8 G2 ein ansehnliches Bokeh. Klar, mit hochwertigen Festbrennweiten wie Sigma 135mm ART oder Nikon 105mm f/1.4E kann es nicht mithalten. Dennoch kann sich das Bokeh sehen lassen. Die Übergänge sind weich, jedoch sind die Bokehringe relativ "rau". Das Nikon 70-200mm f/2.8G VR II kann es ein bisschen besser. Sieht man nicht immer und nicht sofort, aber es ist so.

Anbei ein paar Beispielbilder für das Bokeh. Alle Bilder wurden mit der D810 bei 200mm und f/2.8 gemacht.

Im Bild 1 seht ihr das sogenannte "Swirling" (die Verdrehung des Bildfeldes zu den Ecken hin). Das ist aber nix schlimmes, tun so gut wie alle Objektive, auch Premium Festbrennweiten wie das Nikon 105mm f/1.4E oder Sigma 85mm f/1.4 ART.


Fazit.

Nach vielen Bildern kann ich (fast) nur Positives über optische und technische Leistung des neuen Tamron 70-200mm f/2.8 VC USD G2 berichten. Das Objektiv bildet für ein Zoom Objektiv sehr gut ab. Der Autofokus ist sehr schnell und sehr sicher (er sitzt einfach!). Die Verarbeitung ist auf einem hohen Niveau. Das Bokeh ist gut, jedoch nicht perfekt (das VR II kann es leicht besser). Der neue Stabilisator leistet eine beachtliche Arbeit und macht das Fotografieren noch flexibler.

Ein paar Punkte zum Bemängeln gibt es dennoch meinerseits. Das wäre das bereits erwähnte "nicht ganz perfekte" Bokeh, sowie der enge Abstand zwischen Objektivtubus und Stativfuß, welcher das Tragen des Objektiv-Kamera-Gespanns am Stativfuß verhindert. Das war's meinerseits auch schon mit Kritik.

 

Für den aktuellen Preis von etwa 1599€ gibt es sehr viel Objektiv. Zumal das Nikon Äquivalent (Nikon 70-200mm f/2.8E FL VR) ca. 1000€ mehr kostet. Ich glaube ja, dass es in manchen Punkten evtl. noch etwas besser ist. Aber ist es mir 1000€ wert, wenn ich mit dem Tamron schon sehr zufrieden bin? Diese Frage kann ich mir noch nicht beantworten. Vorerst bleibe ich jedenfalls beim Tamron.

Vor allem sollte sich jeder folgende Frage stellen: wird man im fertigen Bild sehen können, ob das Bild mit dem Tamron 70-200 2.8 G2 oder dem Nikon 70-200 2.8E VR FL gemacht wurde?

 

Gerne könnt ihr unten einen Kommentar hinterlassen, wenn ich euch mit meinem Test helfen konnte.

Vielen Dank für's Lesen.

 

PS: hier findet ihr einen Vergleich Tamron 70-200mm f/2.8 G2 vs. Sigma 135mm f/1.8 ART.


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Kommentare: 8
  • #1

    Wolfgang Meerwald (Freitag, 12 Mai 2017 22:33)

    Ein wirklich ganz hervorragender Testbericht, der meine volle Anerkennung verdient. Habe mich jetzt, nicht zuletzt wegen diesem sehr ausführlichem und äußerst hilfreichem Beitrag, für genau diese Optik entschieden. Bin schon mal gespannt, wie sehr sie meine Erwartungen erfüllt. Meinen herzlichen Dank in die Oberpfalz!

    Ein "ausgewanderter" Oberpfälzer

  • #2

    ViBo Photodesign (Samstag, 13 Mai 2017 11:18)

    Hallo Wolfgang,

    es freut mich sehr, wenn ich dir weiterhelfen konnte. Das Objektiv, zumindest mein Exemplar, ist wirklich einwandfrei und tut einfach seinen Job.
    Ich wünsche dir viel Spaß mit dem Tamron!

    Grüße
    ViBo

  • #3

    Wolfgang Meerwald (Dienstag, 16 Mai 2017 17:57)

    Hi ViBo!

    Habe das gute Teil heute erhalten und bin schlichtweg begeistert! Vor allem an der D500 macht es einen ganz hervorragenden Eindruck. An der D800 hatte es einen Backfocus, der sich aber kameraintern beheben ließ.

    Viele Grüße,
    Wolfgang

  • #4

    ViBo Photodesign (Dienstag, 16 Mai 2017 18:18)

    Hallo Wolfgang,

    ich habe ehrlich gesagt nix anderes erwartet :)

    Grüße
    Viktor

  • #5

    Markus S. (Montag, 22 Mai 2017)

    Hallo ViBo,

    auch von mir einen großen Dank für diese kleine, aber sehr hilfreiche Vorstellung.
    Ich habe so wie du trotzdem noch mit dem Kauf des Tamrons gezögert, nachdem ich schon viel positives darüber gelesen hatte. Aber deine Argumente und Beispielbilder haben mir dann doch den letzten Kick verpasst :)

    Seit 2 Wochen besitze ich das gute Stück und muss sagen, dass das Objektiv wirklich top ist! Ich bin so wie du auch sehr zufrieden mit der Leistung und spare mir das neue FL VR III.

    Nochmal besten Dank und schöne Grüße aus Niedersachsen.
    Markus.

  • #6

    Michael (Freitag, 23 Juni 2017)

    Hallo,
    vielen Dank für den tollen Beitrag. Ich könnte das Objektiv in Duisburg kurz testen und bin ebenfalls begeistert. Was mich jetzt noch interessiert ist das Verhalten mit dem neuen 2x Telekonverter. Hast du da auch Erfahrung?
    Vg
    Michael

  • #7

    ViBo Photodesign (Sonntag, 25 Juni 2017 11:01)

    Hallo Michael.

    ich nutze generell keine Telekonverter und kann deswegen nix dazu sagen. Tut mir leid.

    Grüße
    Viktor

  • #8

    Thomas (Mittwoch, 26 Juli 2017 10:33)

    Ich konnte das Objektiv in Duisburg an der 80D testen. Die Leute von Tamron waren super freundlich und hilfsbereit. Wollten mir das Objektiv auch mit nach draußen geben, habe aber nur in der Halle fotografiert.
    Sehr schnellen Autofokus und gestochen scharfe Foto. Der Stabi ist genial, reproduzierbare 1/20...
    Habe das Objektiv noch auf der Messe gekauft.
    Nachdem ich es jetzt schon einige Zeit habe kann ich es wirklich nur empfehlen.

    Gruß
    Thomas