Sigma 135mm f/1.8 ART vs. Nikon 105mm f/1.4 E

Sigma 135mm f/1.8 ART vs. Nikon 105mm f/1.4 E Review

Vorwort.

Vermutlich fragen sich aktuell viele Profi- sowie ambitionierte Hobbyfotografen: was ist denn aktuell das Non-Plus-Ultra für Portrait oder Sport Fotografie? Welche lichtstarke Festbrennweite bietet was und welche ist für was besser geeignet?

Nach meinem Test des Sigma 85mm f/1.4 ART vs. Nikon 105mm f/1.4 E habe ich festgestellt, dass obwohl das Sigma ein sehr gutes Objektiv ist, das Nikon Objektiv für mich doch besser geeignet ist. Die Abbildungsleistung, die Farben, diese ganze "Magie" dieser Festbrennweite hat das Sigma Objektiv geschlagen, und so habe ich das Sigma nicht ganz so schweren Herzens wieder zum Händler gebracht.

Seit kurzem haben wir einen neuen Big Player auf dem Markt - das neue Sigma 135mm f/1.8 ART. Seit wenigen Tagen habe ich das Objektiv in meinem Besitz, und das Erste, was ich machen musste, ist der Vergleich versus meine Top Portrait Festbrennweite Nikon 105mm f/1.4 E.

Im Vorab möchte ich sagen, dass ich alle Tests nach bestem Wissen und Gewissen durchgeführt habe bzw. noch weiter durchführen werde. Natürlich kann ich nicht mit absoluten Top Fachlaboren mithalten, aber ich versuche die beiden Objektive auf meine Weise zu vergleichen.

Auf solche Sachen wie Stativ, Spiegelvorauslösung und passende Verschlußzeiten, sowie nachträgliche RAW Entwicklung mit Adobe Camera RAW mit identischen Parametern wurde und wird selbstverständlich geachtet.


Verarbeitung, Größe, Gewicht.

Die Verarbeitung des Sigma 135mm f/1.8 ART ist wie von der ART Serie gewohnt sehr hochwertig. Das Objektiv fasst sich sehr angenehm an und liegt gut in der Hand. Durch seine ansehnliche Größe und das Gewicht von ca. 1150g (mit Gegenlichtblende) wirkt es an der D810 relativ massiv, aber nicht übergroß. An der Nikon D810 wird die Kombi relativ kopflastig und schwer, was bei längeren Einsätzen definitiv zu einer Ermüdung in den Armen und Handgelenken führen wird. Aber auch mit dem Nikon 105mm 1.4E ist es nicht viel anders, denn dieses wiegt lediglich 110g weniger als das Sigma (eigene Messung mit digitalen einer Küchenwaage).

Der Fokusring lässt sich mit einem angenehmen Widerstand rotieren. Es läuft nicht zu schwer, aber auch nicht zu leicht, für meinen Geschmack genau richtig (etwas schwerer als beim Nikon 105 f/1.4 E). Die Schalter für Focus Limiter sowie AF/M Umschaltung lassen sich relativ leicht umschalten, aber auch nicht so leicht, dass man es bei jeder unbeabsichtigter, kleiner Bewegung sofort umschalten könnte (beim Nikon leistet der Schalter auf jeden Fall spürbar mehr Widerstand beim Umschalten).

Die Gummilippe am Bajonett Anschluss ist vorhanden und schützt das Objektiv gegen das Eindringen von Staub und Wasser. Inwieweit das Gehäuse des Objektivs dagegen geschützt ist, kann ich nicht sagen.

Autofokus.

Der Autofokus des neuen Sigma 135mm f/1.8 ART ist sehr schnell und vor allem sehr präzise. Vom Tempo her ist er vergleichbar mit dem Autofokus des Sigma 85mm f/1.4 ART, also schnell genug für die allermeisten Aufgaben.

Die Präzision des Autofokus hat mich sehr überrascht. Ich hatte schon das eine oder andere "AF-Problemchen" mit den Sigma ART Objektiven, aber das neue 135mm ART macht es anders. Das Objektiv fokussiert so präzise, dass man sich darauf absolut verlassen kann. Ich habe eine Reihe von Bildern in verschiedensten Entfernungen gemacht, und bei allen saß der Autofokus genau dort, wo ich es haben wollte. Toll!

Die Fokus-Geschwindigkeit ist vergleichbar mit dem neuen Tamron 70-200mm f/2.8 G2. Hier gibt es also rein gar nix zu meckern. Das Nikon 105mm f/1.4 E muss sich hier dem Sigma geschlagen geben, das Sigma ist einfach merklich schneller.

Toller Job, Sigma!

Schärfe, Vignette, chromatische Aberrationen.

Das Objektiv ist scharf. Sehr scharf.

An meiner D810 produziert das Objektiv eine hervorragende Schärfe sowie sehr klare, satte Kontraste. Die Optik ist perfekt auf Schärfe getrimmt. Schon bei Offenblende von f/1.8 liefert das Objektiv eine so gute Schärfe, dass man sich fragt, wozu man überhaupt jemals abblenden sollte :) Ich habe bis jetzt nur die Schärfe in der Mitte genauer angeschaut, bin aber überzeugt, dass das Objektiv auch in den Ecken und Rändern eine sehr gute Schärfe liefert.

Die Vignette ist sehr gut korrigiert und fällt in den Bildern bei weitem nicht so stark auf wie beim Nikon 105mm f/1.4 E (dieses produziert bei f/1.4 eine sehr starke Vignettierung). Allerdings muss ich sagen, dass mir die Vignette vor allem bei Portraitfotografie ganz gut gefällt. Dennoch ist die Vignettierung ein Objektivfehler, egal ob man es positiv oder negativ sieht. Eine Vignette nachträglich hinzuzufügen, ist einfacher, als die bereits vorhandene Vignettierung zu entfernen. Denn bei hohen ISO Werten kommt es zu noch mehr Rauschen in den Randbereichen, wenn man die Vignette aufhellt.

Chromatische Aberrationen sind beim Sigma 135mm f/1.8 ART sehr sehr gut korrigiert. Man sieht im in den Bildern so gut wie keine lila oder grüne Farbränder. Auch das Nikon 105mm f/1.4 E ist hier sehr gut, aber das Sigma toppt es nochmals.

Anbei ein paar Vergleichsbilder. Zuerst die Gesamtansicht (Abstand beim Sigma angepasst, damit man in etwa eine gleiche Komposition hat).

Kamera: Nikon D810.

Links ist das Sigma 135mm f/1.8 ART bei f/1.8, links ist Nikon 105mm f/1.4 E ebenfalls bei f/1.8. Bilder anklicken, um zu vergrößern.

Und nun kommen die 100% Ausschnitte. Links ist jeweils das Sigma, rechts Nikon (beide bei f/1.8).

Wie man sehen kann, gibt es keine nennenswerten Unterschiede in der Schärfe. Die Bilder wurden übrigens beim Entwickeln mit 25/1,0/25/0 nachgeschärft, also ganz dezent.

Und nun schauen wir uns das Bokeh an. Wieder ist Sigma links, Nikon rechts, und wieder beide bei f/1.8.

Seht ihr das auch? Auf mich wirkt Nikon nochmals etwas weicher im Bokeh. Die Bokekreise sind größer und weicher. Die Unterschiede sind nicht so groß, aber dennoch sichtbar.

Und so sieht es aus, wenn man den Motivabstand anpasst, aber das Bild mit dem Nikon mit Blende f/1.4 aufnimmt:

Und was passiert, wenn man beim Sigma den Abstand nicht angleicht, sondern einfach von gleicher Stelle aus ein vergleichbares Bild aufnimmt (zuerst das Nikon Bild, dann das Sigma vom gleicher Stelle aufgenommen):

Ist klar, Sigma hat längere Brennweite, der Bildausschnitt ist also nochmals kleiner.

Und schon verändert sich das Bokeh bedingt durch längere Brennweite zugunsten des Sigmas (links Sigma, rechts Nikon):

Hier noch ein anderes Motiv. Dabei habe ich den Abstand mit dem Nikon 105E an den Bildausschnitt des Sigmas angepasst. Links Sigma 135mm f/1.8 ART, rechts Nikon 105mm f/1.4 E:

Man merkt definitiv, dass Nikon weicher im Bokeh ist. Auch gibt es die Farben wärmer (typisch Nikon) wieder.

Und nun kommt ein 100% Bildausschnitt dazu, links Nikon, rechts Sigma:

Auch hier sieht man eindeutig, dass zumindest bei diesem Bild (Naheinstellgrenze) das Nikon definitiv ein weicheres Bokeh produziert. Aber sobald man den 100% Ausschnitt des anfokussierten Bereichs ansieht, wendet sich das Blatt zugunsten des Sigmas. Links Nikon, rechts Sigma:

Hier sieht man eindeutig, dass das Sigma an der Naheinstellgrenze deutlich schärfer ist. Mir ist schon früher aufgefallen, dass Nikon im extremen Nahbereich nicht so scharf ist. Aber im normalen Foto-Alltag merkt man so gut wie nix davon, denn man kauft es doch nicht, um damit Makroaufnahmen zu machen. Bei einem normalen Portrait Arbeitsabstand von 2-3 und mehr Meter  ist das Nikon sehr scharf. Aber dennoch ist das Sigma hier definitiv besser und schärfer.


Sigma 135mm f/1.8 ART vs. Nikon 105mm f/1.4 E. Vorläufiges Fazit.

Sigma hat wieder mal bewiesen, dass sie hervorragende Objektive bauen können. Das neue 135mm f/1.8 ART ist ein sehr schnelles und sehr scharfes Objektiv. Die Autofokusgeschwindigkeit ist merklich schneller als beim Nikon 105mm f/1.4 E und auch mindestens so genau, wenn nicht sogar genauer. Die Schärfe ist sehr gut, vergleichbar gut mit dem Nikkor, vielleicht sogar ein bisschen besser. Allerdings sind beide Objektive dabei auf so einem hohen Niveau, dass es fast schon keine Rolle mehr spielt, welches von beiden schärfer ist. Viel wichtiger ist die Tatsache, dass Sigma deutlich schneller fokussiert, was die Bildausbeute spürbar steigern könnte.

Beim Bokeh bin ich der Meinung, dass das Nikkor hier der King ist. Das Sigma ist auch ganz ordentlich, jedoch ist das Nikon nochmals etwas weicher im Hintergrund.

 

Für mich sieht es momentan so aus:

- Sigma: für Speed, Sport, also für dort, wo es auf Schnelligkeit und Zuverlässigkeit ankommt, und natürlich für eine herausragende Schärfe

- Nikon: für gestellte Portraits mit "extra viel Sahne" :)

Das war erstmal ein kurzer Vorab-Test. Ich werde beide Objektive die nächsten Tage und Wochen nochmal genauer unter die Lupe nehmen, und hier dann evtl. den einen oder anderen Punkt ergänzen, oder auch mehr Beispielbilder vom Sigma einfügen.

Wenn ihr irgendwelche Fragen habt oder einfach nur etwas zu sagen habt, könnt ihr das weiter unten gerne tun.

 

Vielen Dank für's Lesen.


Update 28.06.2017

Letztendlich hat sich bei mir das Sigma 135mm ART durchgesetzt, sodass ich das Nikon 105mm f/1.4 E wieder abgegeben habe. Der Hauptgrund für diese Entscheidung war der schnellere Autofokus des Sigmas. Bei der Schärfe nehmen sich beide Objektive nix, sie sind in dieser Hinsicht sehr vergleichbar.

Das Bokeh in den Ecken ist beim Sigma 135 ART deutlich ruhiger und "swirlt" nicht so sehr wie beim Nikon. Insgesamt ist das Sigma "sauberer" in der Abbildungsleistung.


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Kommentare: 3
  • #1

    Luke Fox (Donnerstag, 29 Juni 2017 16:49)

    Hey,
    vielen Dank für diesen Artikel. Sehr interessanter Vergleich. Werde auch zum Sigma greifen.

    Alles Gute und beste Grüße aus Darmstadt
    Luke

  • #2

    Fab (Donnerstag, 06 Juli 2017 03:16)

    Hallo, sehe ich das richtig:

    Zunächst erschien Ihnen das Bokeh des Nikons schöner. Dann aber das des Sigma (Zitat "Das Bokeh in den Ecken ist beim Sigma 135 ART deutlich ruhiger und "swirlt" nicht so sehr wie beim Nikon. Insgesamt ist das Sigma "sauberer" in der Abbildungsleistung. ").

    VG
    Fabian

  • #3

    ViBo Photodesign (Donnerstag, 06 Juli 2017 06:22)

    Hallo Fabian,

    Sie sehen es absolut richtig. Im Nahbereich ist das Nikon erwartungsgemäß etwas weicher im Bokeh (f/1.4 vs. f/1.8). Doch sobald man echte Portraits im Freien fotografiert (meine letzte Aussage bezog sich auf real life Bilder), wirkt das Sigma 135 ART etwas ruhiger, schwer zu erklären. Der Hintergrund wird auf jeden Fall durch die längere Brennweite noch etwas besser (eher anders) isoliert. Der Unterschied ist minimal, und es ist schwer zu sagen, welches Objektiv insgesamt besser ist. Manchmal gefällt mir das Nikon 105 f/1.4E leicht besser, manchmal das Sigma 135 f/1.8 ART.
    In den Ecken merkt man es aber deutlich. Das Nikon swirlt sichtbar mehr, was die Ecken deutlich unruhiger als beim Sigma 135mm ART macht.
    Ich habe ein paar Beispiele dafür, jedoch komme ich momentan aus zeitlichen Gründen nicht dazu, sie hier einzustellen.

    Dennoch sind beide Objektive absolut spitzenmäßig. Wenn Nikon einen vergleichbaren AF Motor hätte, hätte ich es statt Sigma behalten. Die 105mm Brennweite ist etwas angenehmer als 135mm, da nicht so lang.

    Grüße
    ViBo Photodesign